Barack Obama gewinnt den Friedensnobelpreis. Aber hat er ihn auch verdient?

Seine außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu stärken, waren für das Osloer Nobelpreiskommitee Grund genug, dem US-Präsidenten den diesjährigen Friedensnobelpreis zu verleihen. Dabei legten Thorbjørn Jagland und seine vier Kollegen großen Wert auf Obamas Vision von einer Welt ohne Atomwaffen – ein Ziel, für das er sich stark engagiert. Die Preisvergabe an Barack Obama hat viele überrascht, da vor allem asiatische Menschenrechtsaktivisten wie Hu Jian oder afrikanische Politiker wie Denis Mukwege als heiße Kandidaten gehandelt wurden.

Natürlich wurden auch Stimmen laut, die reklamierten, dass die Preisvergabe an Obama verfrüht sei. Es ist natürlich richtig, dass ein Präsident nach nicht einmal neun Monaten im Amt selten solch bedeutsame Leistungen vorweisen kann, die ihn als Preisträger rechtfertigen. Dessen schien sich auch die norwegische Kommission vollauf bewusst und nahm möglichen Kritikern die Luft aus den Segeln, indem sie die Vergabe vor allem als Ermutigung auf Obamas weiteren Weg für eine friedlichere Welt verstanden sehen will. Wenn man die schwerwiegenden Fehler seines Amtsvorgängers betrachtet, dann ist es schon außerordentlich, wie Obama es geschafft hat, das Image der USA und ihre Rolle in der Welt zum positiven zu verändern. Anders als Bush setzt er sich für multilaterale Lösungen ein und betrachtet Dialoge und Verhandlungen als geeignetere Mittel, um Konflikte zu entschärfen. Obamas diplomatische Bemühungen, das politische und ökologische Klima zu entgiften, sowie sein Einsatz für Demokratie und Menschenrechte sind Leistungen, die es wert sind, gewürdigt zu werden. Dabei sind speziell seine Friedensbemühungen im Nahen Osten und sein Eintreten für nukleare Abrüstung hervorzuheben. Mindestens genauso wichtig ist jedoch seine Annäherung an die muslimische Welt, wie er dies in Kairo eindrucksvoll demonstriert hat. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger hat er erkannt, dass eine Einteilung der Welt in „Gut“ und „Böse“ eine chauvinistische Weltsicht darstellt, die nur noch mehr Haß und Gewalt hervorruft. Die religiösen und kulturellen Konflikte auf dieser Erde können nur durch gegenseitige Anerkennung, Respekt und friedliches Aufeinanderzugehen gelöst werden.

Allerdings stehen auch manche Fragen unbeantwortet im Raum: Was ist mit der großen Zahl von US-Soldaten, die nach wie vor im Irak stationiert sind? Und denkt Obama gegenwärtig nicht darüber nach, die amerikanische Truppenstärke in Afghanistan zu erhöhen? Angesichts dieser Tatsachen mag die Preisvergabe wirklich etwas verfrüht erscheinen. Jedoch ist auch lange her, dass es ein Politiker vermochte, derart viele Menschen auf der ganzen Welt mit seiner Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu berühren.

6 Gedanken zu „Barack Obama gewinnt den Friedensnobelpreis. Aber hat er ihn auch verdient?

  • 10. Oktober 2009 um 20:27
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    Gut zusammengefasst.
    Trotzdem finde ich die Begründung der Kommission seltsam – vor allem, weil es genug Kandidaten gibt, deren bereits geleistete Arbeit man mit diesem Preis wertschätzen hätte können und die nicht bereits so im Rampenlicht stehen wie Obama.

  • 12. Oktober 2009 um 19:57
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    Die spanische Zeitung El Mundo schreibt übrigens zur Verleihung des Nobelpreises an Obama: Seine Landsleute fragen sich derweil, welche Verdienste Obama in den zwölf Tagen erworben hat, die zwischen seinem Amtsantritt am 20.Januar und dem offiziellen Annahmeschluss der Nobelpreis-Kanditaturen am 1. Februar liegen

    Da war man ja echt unter Zeitdruck, oder? Da war die Euphorie noch voll am wirken.

  • 12. Oktober 2009 um 20:23
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    Nachtrag: Ich finde Obama wäre ein würdiger Kandidat, doch der Zeitpunkt ist verfrüht. Obama hat grad genug Stress und Bürden zu tragen, da braucht er nicht auch noch den emotionalen Druck, den ein Nobelpreis verursacht.

  • 17. Oktober 2009 um 12:55
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    Niemand hat im Jahr 2009 das Gesicht der Welt mehr verändert, als Barack Obama. Niemand hat in diesem Jahr mehr für den Frieden getan.
    Ein Preis für einen Menschenrechtsaktivisten wäre natürlich aufgrund von Mut und der persönlichen Gefahr gerechtfertigt. Aber ein Preis für einen Aktivisten wäre noch viel mehr ein Preis, der den guten Willen würdigt. Und einer, der dem guten Willen vielleicht hilft, etwas zu erreichen.
    Aber wer wirklich Leistungen mit einem Friedensnobelpreis gewürdigt sehen will, für den ist Obama der richtige Preisträger.

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