Der hölzerne Präsident

obama_russia

Als ich vor einiger Zeit an einem russischen Geschäft in Berlin vorbeilief, blickte ich beiläufig in das Schaufenster des Ladens. Neben allerlei landestypischen Gegenständen befand sich dort auch eine jener berühmten Steckpuppen aus Holz namens ‚Matrjoschka‘ (Матрёшка). Das wäre an sich noch keine außergewöhnliche Sache, doch an einer dieser Puppen blieb mein Blick hängen. Es handelte sich um eine Matrjoschka mit dem Konterfei des amtierenden US-Präsidenten. Barack Obama auf einem typisch russischen Symbol. Wie hätte die völkerverbindende Wirkung des Präsidenten besser ausgedrückt werden können? Nicht einmal 20 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges befindet sich das Bild eines US-Präsidenten auf einer russischen Schachtelpuppe. Trotz der existierenden Schwierigkeiten und noch bevorstehenden Krisen und Konflikte ist dies doch ein Lichtblick, der einem Hoffnung machen sollte. Das kleine rote Buch direkt neben der Obama-Matrjoschka ist übrigens eine Miniatur-Ausgabe eines nicht unbekannten Textes aus dem Jahr 1848. Richtig geraten, es handelt sich um Das Kommunistische Manifest von Karl Marx und Friedrich Engels. Offensichtlich drückt sich die Krise des Kapitalismus derzeit in vielerlei Hinsicht aus.

2 Gedanken zu „Der hölzerne Präsident

  • 23. August 2009 um 17:04
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    Na das nenne ich doch mal Völkerbeziehung, wie aus dem Bilderbuch! Dabei meine ich mit Bilderbuch natürlich nicht das Kommunistische Manifest.Wahrscheinlich neigt man einfach nur sehr schnell dazu, mehr in dieses Phänomen reinzuinterpretieren, als am Ende dahinter steckt.Falls dieser Obamaufdruck als Blickfang für Touristen oder, wie in deinem Fall, Einheimische wirken sollte, hat er ja scheinbar seinen Zweck erfüllt.
    Völkerbeziehung hin oder her… ich würde es mal eine kreative Umsetzung des Obamakults nennen. So verschmelzen wortwörtlich Tradition und Moderne! In Berlin ist alles Möglich!

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