Die regierungskritische Journalistin Helen Thomas über Obama

In der Wiener Zeitung erschien ein interessantes Interview mit Helen Thomas, die seit 1961 zum White House Press Corps gehört. Das ist eine Gruppe ausgewählter Journalisten, die regelmäßig die Pressekonferenzen des amerikanischen Präsidenten besuchen dürfen. In seiner ersten Pressekonferenz durfte sie auch als erste eine Frage an Obama stellen, die er aber mit „Nächste Frage“ beantwortet hat. Seitdem durfte sie keine weiteren Fragen stellen, weil das Weiße Haus weitere unangenehme Fragen befürchtet. Langsam wird sie sauer, wie sie im Interview sagt. Ihr missfällt auch, dass Obama in den ersten hundert Tagen, inklusive Antrittspressekonferenz nur drei Pressekonferenzen gegeben hat, Bill Clinton hätte vergleichsweise mehr gegeben. Sie geht von folgendem Zusammenhang aus:

Eines trifft auf alle [Präsidenten] zu: Wenn die Dinge schlecht stehen, wollen sie keine Pressekonferenzen geben. Wenn es bergauf geht, dann stellen sie sich gern der Presse.

Im Einzelnen kritisiert sie Obama, dass er zu pragmatisch sei, obwohl er Quantensprünge machen könnte. Zum Beispiel sich statt um die private um die öffentliche Gesundheitsvorsorge kümmern. Auch die angeschlagene Autoindustrie sollte er mehr unterstützen u.a. um nicht auf Importe angewiesen zu sein. Er sollte große Ideen propagieren –

das ist notwendig, denn die Welt ist in keinem guten Zustand.

Im Interview vergleicht sie ihren Lieblingspräsidenten Kennedy mit Obama. Ihre Worte:

Ich glaube, er [Obama] hat schon einige [Visionen], aber er hat nicht Kennedys unglaublichen Wagemut. Er wählt den Weg, der möglich ist, und nicht die Straße, die noch keiner befahren hat.

Was meinen Sie, ist an Thomas Formel (Wenn die Dinge schlecht stehen, wollen sie keine Pressekonferenzen geben. Wenn es bergauf geht, dann stellen sie sich gern der Presse) etwas dran?

Und wie stehen Sie zur bisherigen Arbeit von Obama? Leistet er was er kann oder könnte er tatsächlich mehr leisten?

Und zum Schluss noch: [poll id=“4″]

Quelle: Wiener Zeitung. Printausgabe vom Samstag, 23. Mai 2009: Helen Thomas: „Das ganze Leben besteht aus Veränderung“

Update:
Hier noch Helen Thomas Frage an Obama und seine Antwort:

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