Der erste Talkshow-Präsident

Der Abend seines Lebens sei es gewesen, sagte Jay Leno nach dem Besuch von Barack Obama in seiner Talk-Sendung The Tonight Show am 19. März. Zumindest war es das erste Mal, dass ein amtierender US-Präsident in einer Talk-Show auftrat, und er tat dies zu Marschmusik und Standing Ovations. Das Gespräch begann genauso locker wie man es von Obama kennt: Kevin Eubanks, Bandleader der Showkapelle, wurde vom Präsidenten eingangs für seinen schicken Anzug gelobt. Damit war das Eis gebrochen und Jay Leno genoß es sichtlich, es endlich mal nicht nur mit einem Hollywoodschaupieler oder Musiker zu tun zu haben, der seine Sendung vor allem zu Promotionzwecken (aus)nutzt.

Wie fühlt sich das Leben als Präsident an und wie ist es, nach nur 2 Monaten für seinen Job beurteilt zu werden? Obama antwortet mit zwei Beispielen: Vor kurzem habe er eine Strecke von nicht einmal 700 Metern zu Fuß zurücklegen wollen, was ihm von seinen Sicherheitsleuten jedoch verwehrt wurde. Zudem verglich er seine Situation mit der Show American Idol (aka DSDS in Deutschland), nur dass in seinem Fall jeder Bürger in der Jury zu sitzen glaube. Er hofft in diesen schwierigen Zeiten vor allem auf die Geduld der Menschen, und, angesprochen auf die unverschämten Bonuszahlungen (etwa im Fall von AIG), machte er seinem Unmut Luft: Die USA müssten zurück zur Bescheidenheit finden und zu den Werten, die das Land aufgebaut haben. Moral und Ethik sollen wieder zu einem Maßstab werden, der vom Staat durch gegenseitige Kontrolle geschützt werden müsse. Als Leno meinte, er habe das Bedürfnis, zu sehen, wie die Schuldigen ins Gefängnis wanderten, konnte Obama diesen Wunsch gut nachvollziehen. Das Problem sei nur, dass viele der Ursachen, die die Welt in diese Krise gestürzt haben, vollkommen legal gewesen seien. Es sei also höchste Zeit, dass die Gesetze wieder dem gesunden Menschenverstand gehorchten und dementsprechend geändert würden. Das Problem, das er in Washington sehe, sei, dass jeder die Schuld nicht bei sich selbst, sondern beim anderen suche. Der Präsident weist auf die Grundpfeiler des American Dream hin: Vertrauen und Zuversicht in die Zukunft waren es, die die USA zu dem gemacht haben, was sie sind und die Zukunft sei auch noch immer leuchtend, wenn jetzt die richtigen Schritte unternommen würden.

Zum Schluß hatte Leno noch einige persönliche Fragen. Wie cool ist es, mit der Air Force One zu fliegen? Obama hierzu: Ziemlich cool, vor allem wegen der Jacke, die man dort bekomme, mit US-Siegel und allem drum und dran. Auch seine Basketball-Leidenschaft ist Thema. Ob die Gegner von Obama, die gegen ihn eine Partie im Weißen Haus spielten, nicht eventuell absichtlich verlieren würden, möchte der Talkmaster wissen. Obama verneint dies, räumt aber ein, dass die Geheimdienstmitarbeiter mit ihrem Waffen im Anschlag schon für gewisse Einschüchterung sorgen dürften. Zumindest werde er nicht mehr so hart gefoult wie früher. Die letzte Frage zielt auf das Thema ‚Präsidenten-Hund‘: Wo sei der angekündigte Hund abgeblieben, fragt Leno. War nur ein leeres Wahlverprechen scherzt Obama und verspricht, dass er spätestens nach seiner Rückkehr vom NATO-Gipfel da sein werde. Denn, wie sagt man in Regierungskreisen: Willst Du einen Freund in Washington, leg dir einen Hund zu…

4 Gedanken zu „Der erste Talkshow-Präsident

  • 23. März 2009 um 11:31
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    Wollt ihr nicht zumindest das Interview bzw. ein Transkript verlinken? Dann kann man sich selbst ein Bild machen.

    Aber etwas inhaltliche Kritik – ich weiß ihr macht hier einen Obama Fan-Blog, aber es wäre jetzt auch nicht verkehrt gewesen, den in den USA immer noch meistdiskutierten Teil des Interviews zu erwähnen. Jay fragte den Präsidenten im Vorbeigehen, ob die Bowling-Bahn im Weißen Haus abgebrannt wurde (wegen eines äußerst misslungenen Spiels aus dem Vorwahlkampf). Obama erwiderte, dass er sogar übe und inzwischen schon 129 Punkte erzielen konnte. Jay belustigte sich darüber und daraufhin witzelte der Präsident, dass sich das mit den Special Olympics, also den olymischen Spiele für geistig Behinderte vergleichen ließe.

    Auch wenn er sich bei den Veranstaltern schon auf dem Rückflug nach D.C. von der Air Force One aus entschuldigte, gab es einen kleinen Sturm der Entrüstung. Natürlich insbesondere seitens Fox News, wo sich z.B. der Rechtspopulist Sean Hannity darüber aufregte, dass ‚liberale Medien‘ sich seinerzeit über Bush das Maul zerrissen, als er Unsinniges (in relativ häufigen Abständen) von sich gab, aber wenn Obama Ähnliches anstellt, würde es totgeschwiegen. Gebt ihm also bitte nicht auch noch recht!

  • 23. März 2009 um 12:20
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    Lieber Thomas Furlong,
    vielen Dank für Deinen Kommentar und den Vorschlag, das Video zu verlinken. Ich habe dies nun nachgeholt. Nun zu Deinen Punkten: Zum einen machen wir kein Fan-Blog, was schon aus unserem Blog-Namen „Das UNABHÄNGIGE Blog über Barack Obama“ hervorgeht. Zum anderen hast Du natürlich recht, dass die Äußerung Obamas unangebracht und diskriminierend war. Doch denke ich, dass die Tatsache, dass er sich sofort nach der Sendung bei Timothy Shriver für seinen Ausrutscher entschuldigt hat, nicht übersehen werden darf. Die rechten Medien in den USA sind wahrscheinlich schon lange verzweifelt auf der Suche nach einer Gelegenheit, Obama endlich etwas vorwerfen zu können und stürzen sich nun auf diesen Fauxpas. Ich habe in dem Artikel sowieso nur einen kleinen Ausschnitt des Gesprächs zwischen Obama und Leno behandelt und so erklärt sich, weshalb dieser Nebensatz nicht erwähnt wird. Die Äußerung war meiner Ansicht nach kein Ausdruck seiner persönlichen Einstellung zu Behinderten, sondern einfach ein ungeschickter Versuch, dem Komiker Leno etwas entgegenzusetzen. Nochmals: Ich fand die Äußerung diskriminierend und verletzend, habe aber aufgrund der sofortigen persönlichen Entschuldigung davon abgesehen, in den rechten Aufschrei miteinzustimmen.

  • 23. März 2009 um 20:08
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    Ich fand das Interview genial!
    Trotz des „kleinen“ Ausrutschers; ich sage klein, da Obama sich nach dem Interview sofort entschuldigt hat, was ich super fand.
    Barack Obama, ist das beste, das den USA passieren hätte können! Er weiß was er tut und ich vertraue ihm!
    Was ich persönlich auch sehr beeindruckend finde ist, dass seine Frau und seine Kinder ihn so tatkräftig untersützten, denn man sollte mal darüber nachdenken, was für ein Leben sie nun führen. Sie können nicht einfach mal sagen, „Kommt lasst uns ins Kino gehen.“, sogar in der Schule stehen überall Wachmänner rum. Es ist ein ziemlich harter Job wenn man bedenkt was man alles dafür aufgeben muss. Naja..das ist zumindestens meine Meinung!

    Zum Schluss kann ich nur sagen: „YES, WE CAN!“
    PS: Ich weiß, der Kommentar ist nicht annährernd so gut wie die 2 davor, aber ich war noch nie sonderlich gut darin Sachen auszuformulieren, ich hoffe deshalb das man trotzdem versteht was ich sagen möchte. 🙂

    Danke und liebe Grüße Bella (15Jahre)

  • 24. März 2009 um 18:22
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    Liebe Bella S.,

    vielen Dank für Deinen Kommentar bei barackobama.de. Wir müssen Dir allerdings widersprechen: Du bist sehr wohl in der Lage, Deine Meinung zu formulieren und wir haben voll und ganz verstanden, was Du ausdrücken wolltest. Wir freuen uns auf weitere Kommentare von Dir und wünschen Dir alles Gute! Deine Redaktion von barackobama.de

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