Der Beginn einer neuen Ära – Ein Bericht über die CARTA-Veranstaltung „Der digitale Präsident“ (20.01.09)

img_0789

(Von links nach rechts: Mercedes Bunz, Björn Böhning, Tobias Moorstedt)

Am gestrigen Abend befanden wir von barackobama.de uns im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin. Dort übertrug der Autoren-Blog CARTA die Inauguration von Obama und veranstaltete anschließend eine Podiumsdiskussion zum Thema „Der Digitale Präsident“. Redner waren Mercedes Bunz, Björn Böhning und Tobias Moorstedt.  Im Folgenden führe ich eine kurze Zusammenfassung einiger Themen auf, die in der Diskussion zur Sprache kamen.

img_0788

img_0785

  • Mercedes Bunz wies darauf hin, dass die neue Website des Weißen Hauses noch während der Inauguration online ging. Dies passte hervorragend zu einem Präsidenten, der einen medialen Wahlkampf par excellence betrieben hatte.
  • Bereits der Internetauftritt des Kandidaten Obama, so hob Moorstedt hervor, hatte unter anderem durch eine kollektive Prioritätenliste den Bürger ins Team hingeholt. Dies hatte dazu geführt, dass auf Platz 1 die Legitimation von Marihuana landete. Ein Beispiel für Herausforderungen, denen sich eine direkte Demokratie gegenüber sieht. Mercedes Bunz stellte jedoch auch den Mut heraus, den die Online-Stellung von solchen Dingen erfordere.
  • Bunz griff das Element von Gruppenorganisation auf: Obama als „community organizer der USA“, der die Bedeutung des Auftritts im Netz erkannt hat und diesen von Fachkräften pflegen lässt. So soll, laut Moorstedt, das New Media Team des Weißen Hauses ca. 80 Leute umfassen und BlueStateDigital.com zu seinem erstaunlichen Erfolg verholfen haben.
  • Obama, so Böhning, wurde durch das Internet zu einem anfassbaren Präsidenten, der das Netz als eine Art ‚Riesenspiegel‘ für seinen Wahlkampf benutzte. Bunz wies zudem darauf hin, dass das Online-Stellen von Privat-Fotos von Obama bei Flickr dazu führte, dass der neue Präsident quasi zu seinem eigenen Paparazzo wurde, was einen gehörigen Kontrollzuwachs für ihn und sein Team bedeutete.
  • Tobias Moorstedt erwähnte außerdem eine neue Entwicklung, die durch die Einbindung von Web 2.0 – Werten in den politischen Prozess zu einer neuen Art von Transparenz führt. Bestes Beispiel dafür sei die Sunlight Foundation, die 2006 gegründet wurde und den Bürgern mehr Zugang zu Informationen über den Kongress und die Bundesregierung bietet.
  • Zu diesem Thema gab es auch eine Bemerkung aus dem Publikum: Sollte die Partizipation nicht auch bis zu einer Entscheidung gehen? Tobias Moorstedt fand diesen Ansatz ganz interessant, machte jedoch auch auf die Risiken einer solchen „Diktatur der Maus“ aufmerksam. Obama, so führte er weiter aus, plane ja bereits eine „direkte Demokratie über DSL“: Er  wolle Gesetzesvorschläge ins Netz stellen, um so die Meinung seiner Bürger zu den Gesetzen zu hören, bevor er sie unterschreibt.
  • Auch die Position und Bedeutung von Journalisten wird neu hinterfragt: Wohin führt es, dass Leser, z.B. eines Blogs, direkt einen Kommentar unter einem Artikel hinterlassen können? Und sowieso: Ist Obama überhaupt noch auf Journalisten als Zwischeninstanz angewiesen?
  • Moorstedt sieht Blogs vor allem als Bereicherung, da so mehr Leute mitreden können und an der Meinungsbildung beteiligt sind. Auch das Sammeln von E-Mail-Adressen, wie von Obamas Team genutzt, erlaubt es dem neuen Präsidenten, eine neue Art von direktem Kanal für seine Politik zu nutzen.

Wir danken CARTA (Robin Meyer-Lucht, Stefan Heidenreich und Mercedes Bunz) für diese gelungene Veranstaltung und freuen uns auf weitere dieser Art. Ein großes Lob auch an die drei Redner, die dieses komplexe und spannende Thema kompetent und aufschlussreich diskutierten.

Ein Gedanke zu „Der Beginn einer neuen Ära – Ein Bericht über die CARTA-Veranstaltung „Der digitale Präsident“ (20.01.09)

Schreibe einen Kommentar