Barack Obamas wirtschaftliche Herausforderung – Vertrauen und Visionen

Der Wahlsieg Barack Obamas am 4. November 2008 ließ viele Menschen weltweit aufatmen. „Obama wird das schon richten“ hörte man aus allen Ecken rufen. Die Washington Post widmet sich in ihrem Artikel „Obama’s Mighty Economic Challenge“ dem schweren Erbe des designierten Präsidenten und geht der Frage nach, ob dieses Erbe überhaupt zu bewältigen ist, und welche Auswirkungen es auf die Popularität Barack Obamas haben könnte.

Ausgerechnet der vielbesagte historische Wahlsieg Obamas könnte ihm zum Verhängnis werden. Die Erwartungen an ihn sind hoch, und zwar unrealistisch hoch. Carter Eskew, Chef-Stratege der Präsidentschaftskampangne Al Gores im Jahr 2000, vergleicht in der Washington Post Obamas künftiges Erbe mit der Lage, in der sich damals Franklin Delano Roosevelt befand. In seiner Antrittsrede vom 4. März 1933, schildert Roosevelt die Situation der USA wie folgt:

Values have shrunken to fantastic levels; taxes have risen; our ability to pay has fallen; government of all kinds is faced by serious curtailment of income; the means of exchange are frozen in the currents of trade; the withered leaves of industrial enterprise lie on every side; farmers find no markets for their produce; the savings of many years in thousands of families are gone.

More important, a host of unemployed citizens face the grim problem of existence, and an equally great number toil with little return. Only a foolish optimist can deny the dark realities of the moment.

Damals wie heute scheinen vorherrschende wirtschaftliche Vorgänge veraltet. Die Frage, die sich Obama, so wie damals auch Roosevelt, stellen muss, laute, so Eskew: „Was kann man tatsächlich tun?“ Barack Obama hat es klar und deutlich gesagt: „Für diese Krise gibt es keine schnelle Abhilfe, es sei davon auszugehen, dass die Situation sich verschlechtert bevor Besserungen zu spüren sind.“

Bob Kerrey, ehemaliger Senator Nebraskas, ist der Meinung, viel wichtiger als Obamas politische Lösungsvorschläge, sei es, der amerikanischen Bevölkerung wieder Vertrauen zurückzugeben. Sein Rat lautet: „Stay calm. Be decisive and lead.“ Vertrauen schaffen – sollte das wirklich der Schlüssel sein? Vergegenwärtigt man sich das, was Roosevelt als einen der entscheidenden Gründe für die damalige Wirtschaftskrise nannte, nämlich ein ausschweifendes Egoistentum und das Fehlen von Visionen, erhält Kerreys Vorschlag einen ganz anderen Stellenwert:

Stripped of the lure of profit by which to induce our people to follow their false leadership, they have resorted to exhortations, pleading tearfully for restored confidence. They know only the rules of a generation of self-seekers. They have no vision, and when there is no vision the people perish.

Quellen:

Cillizza, Chris: „Obama’s Mighty Economic Challenge“ (Washington Post, 5.12.2008).

Franklin Roosevelts erste Antrittsrede vom 4.3.1933.

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