Amy Goodmans Rede in Berlin

Am 12.12.2008 hielt die amerikanische Journalistin Amy Goodman in der Berliner Humboldt-Universität einen Vortrag zum Thema „Die Wichtigkeit unabhängiger Medien – Von Bush bis zu Obama“. Wir von barackobama.de wollten uns diese Gelegenheit nicht entgehen lassen und besuchten die Veranstaltung. Im Folgenden ein kurzer Abriss Ihrer bewegenden Rede.

Goodman, die in New York die investigative Radiosendung Democracy Now! betreibt, machte zunächst auf die Bedeutung von Graswurzelbewegungen aufmerksam. Die Funktion der Medien als Hüter der Demokratie und Kontrollorgan der Regierenden sei vor allem in den Monaten und Jahren nach dem Elften September stark aufgeweicht worden. Als Colin Powell im Februar 2003 vor dem UN-Sicherheitsrat die nukleare Bedrohung durch den Irak als angebliche Tatsache präsentierte, wurden viele Mainstream-Medien zu Advokaten der Kriegstreiber. Goodman nennt diese Presseorgane „extremist media“ und weist auf deren ungeheure Macht hin. Sie betrachtet die Medien als die mächtigsten Institutionen der Welt und fordert, dass es höchste Zeit sei, diese Macht wieder zurück in die Hände der Öffentlichkeit zu legen. Stimmen, die der Regierung unangenehm sind oder ihr gegenüber sogar Kritik äußern, fänden in den Mainstream-Medien fast kein Gehör mehr.

Die Invasion des Iraks im Frühjahr 2003 sei das beste Beispiel für eine Situation, in der die Medien ihrer Rolle als Hüter der Demokratie nicht gerecht geworden seien. Kritische Fragen, die Suche nach einer nicht-militärischen Lösung, und bedachtsame Überlegungen waren damals nicht „angesagt“. Goodman wirft den Medien vor, dass sie die Trommel für den Krieg gerührt, und der Regierung nach dem Mund geredet haben. Auch die Berichte aus den Kriegsgebieten seien geschönt worden. Doch laut Goodman habe die Presse die Aufgabe, die grauenvollen Bilder zu zeigen, und damit die Wahrheit in den Vordergrund zu stellen: „War ist tasteless, not pictures“.

In Bezug auf Obama sagte sie, dass die ganze Welt am 4.11.08 einen Seufzer der Erlösung ausgestossen habe. Doch trotz dieses Durchbruchs, dass eine afro-amerikanische Familie, Nachkommen von Sklaven, nun in ein Gebäude einziehen werde, das Ende des 18. Jahrhunderts von Sklaven gebaut worden war, sei sie noch nicht zufrieden. Erst wenn keine „Durchbrüche“ mehr zu verzeichnen seien, sei tatsächlich ein Durchbruch erreicht.

Die 51jährige Journalistin ging auch auf die Anfänge der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung ein, vor allem auf Personen wie Rosa Parks und Emmett Till. Sie hob insbesondere die Bedeutung des afro-amerikanischen Abolitionisten Frederick Douglass (1818-1895) hervor, dessen Einsatz für die Menschenrechte die Welt verändert habe. In diesem Zusammenhang stellte sie eine bittere Ironie der Geschichte heraus: Mount Misery, die Plantage in Maryland, auf der Douglass als Sklave gequält worden war, wurde vor fünf Jahren von Donald Rumsfeld erworben. Der ehemalige Verteidigungsminister lebt nun dort in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem weiteren Bewohner: Bushs Vizepräsident Dick Cheney.

Amy Goodman ging anschließend auf weitere Punkte ein, darunter Guantánamo, den Elften September, ihre Festnahme in St.Paul, ihren gefährlichen Einsatz in Osttimor und die große Gefahr, die von ‚embedded journalists‘ für die neutrale Berichterstattung ausgeht.

Für Ihren Einsatz für Demokratie, Menschenrechte und die Unabhängigkeit der Medien wurde Amy Goodman vier Tage vor ihrer Rede mit dem Right Livelihood Award ausgezeichnet. Bei Interesse an Goodmans Arbeit und weiteren Informationen sei auf ihre Website Democracy Now! verwiesen.

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