Obama als Symbolfigur

4. November 2008. Ein schlichtes Datum, dessen Bedeutung noch vor ein, zwei Jahren, nur von einigen wenigen Optimisten vorausgesehen wurde. Die besondere Strahlkraft, die alle, die an diesem Tag Zugang zu Medien hatten, gespürt haben und für viele Jahre mit sich tragen werden, ging jedoch nicht allein von der Auszählung von Wahlzetteln aus. Es ist einer der seltenen Momente, in denen Wahlkampf-Slogans, „Change“, sowie „Yes, we can“, mehr als bloße Hüllen und politische Rhetorik sind. Sie drücken vielmehr das Gefühl einer ganzen Generation aus, die sich mit den Werten und Einstellungen ihrer Vorgänger nicht mehr wirklich identifizieren kann. In dieser Generation der heute 20-45jährigen, ist ein neuer Gedanke vorherrschend. Diese Generation hat die Chancen und Gefahren einer globalisierten Welt nicht nur erkannt, sondern lebt tagtäglich mit ihnen. Das Web 2.0 hat Menschen aus unterschiedlichsten Ecken der Welt und verschiedensten sozialen Hintergründen zusammengebracht und eröffnet Möglichkeiten, die noch vor 15 Jahren als utopisch abgetan wurden. Der Postmaterialismus erfasst immer mehr Menschen, die in ihrem Leben einen Sinn finden möchten, der über das bloße Anhäufen von Konsumgütern und Statussymbolen hinausgeht. Dazu zählen der Einsatz für Klima, Menschenrechte, soziale Ungerechtigkeiten, aber auch Ausdruck der eigenen Persönlichkeit, sei es künstlerisch, oder auch durch berufliche Selbständigkeit. Es ist diese Generation, die nicht mehr länger die alten Oppositionen aus der Ära des Kalten Krieges mit sich herumschleppt, sondern erkannt hat, dass die Welt des 21. Jahrhunderts vor ganz anderen, neuen, und nicht mit militärischen Mitteln zu lösenden Problemen steht. Barack Obama, der mit seinen 47 Jahren dieses Lebensgefühl teilt, oder zumindest nachvollziehen kann, ist somit zu einer Symbolfigur geworden, die das amerikanische Politsystem transzendiert. Er hat das Internet nicht zu Stimmenfangzwecken benutzt, sondern weil er erkannt hat, dass dieses Medium zu einem globalen Forum für Meinungsbildung, Diskussion, und Austausch geworden ist. Schon jetzt, bevor er überhaupt sein Amt angetreten hat, kann Obama viermal so viele Treffer bei Google aufweisen wie George W. Bush (Angela Merkel übertrifft er sogar um das 22fache). Diese mediale Ominpräsenz drückt die Dankbarkeit, mit der er auf der ganzen Welt aufgenommen wurde, am deutlichsten aus. Hierbei wären auch die 121 Sprachen zu nennen, in denen sein Wikipedia-Eintrag vertreten ist.

Man kann von ihm, wie von warnenden Stimmen, die zur Nüchternheit aufrufen, richtig behauptet, keine Wunder erwarten. Das ist jedoch auch überhaupt nicht nötig. Was sich aber mit großer Sicherheit zeigen wird, ist, dass seine Wahl einer ganzen Generation auf allen fünf Kontinenten die Zuversicht und das Selbstbewusstsein verleiht, dass nun die Zeit gekommen ist, in der die Macht sich auf die Seite derjenigen stellt, die die Welt zum Guten ändern möchten. Sie sehen in anderen Völkern keine ideologischen Todfeinde mehr, die man aus Habgier besetzen und ausnutzen kann. Es ist diese neue Denkweise, die auf die Gemeinsamkeiten und geteilten Interessen der unterschiedlichen Nationen setzt, die das 21. Jahrhundert vor dem Kollaps retten kann. Nur indem die Verbindung, die zwischen allen Menschen besteht, in den Vordergrund gerückt wird und nicht bloß ein Gedankenspiel bleibt, sondern von jedem Bewohner dieser Erde privat und beruflich gelebt wird, kann es mit der Menschheit bergauf gehen. Barack Obama bewegt deshalb so viele Menschen nicht nur geistig, sondern auch emotional, weil er mit leuchtendem Beispiel in dieser Sache vorangeht.

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